Sanierungsbeirat Sternschanze Altona: Kontroverse Diskussionen über geplante Bauvorhaben

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Die Bauarbeiten sind schon in vollem Gange – nur über 3. Bauabschnitt zwischen Buskehre und Schanzenstraße ist noch nicht entschieden

Die Bauarbeiten in der Schanzenstraße sind schon in vollem Gange (Bild: L. Fröhling)

Großen Unmut zeigten Schanzenbewohner am Mittwochabend im Sanierungsbeirat Sternschanze Altona über den geplanten Weihnachtsmarkt in ihrem Viertel. Der vom Bezirksamt Altona bewilligte Markt ist vielen ein Dorn im Auge. „Es kann doch nicht sein, dass der Weihnachtsmarkt so bewilligt wird wie letztes Jahr“, sagte eine Anwohnerin. Vielen Bewohnern ist noch der übermäßige Alkoholkonsum in schlechter Erinnerung. Ursprünglich war der Markt als Basar für Kunsthandwerker gedacht gewesen. Diese hätten jedoch, im Gegensatz zu den Glühweinständen, fast nichts verdient, kritisierte ein Anwohner. Er und andere befürchten nun, dass dieses Jahr weniger Kunsthändler und noch mehr Glühweinstände auf dem Weihnachtsmarkt vertreten sein werden. „Es kann nicht sein, dass dort nur Profit mit Alkohol gemacht wird“, sagte Christiane Hollander vom Vorstand des SC Sternschanze. Der diesjährige Weihnachtsmarkt soll vom 21. November bis zum 23. Dezember stattfinden. „Wir hatten keinen Anlass, den Weihnachtsmarkt zu verbieten. Denn im vergangenen Jahr ist während der Basarzeit bei uns keine einzige Beschwerde von Anwohnern eingegangen“, sagt Nils Fischer vom Bezirksamt Altona. Wie 2010 werden auch in diesem Jahr Grill- und Zuckerware, sowie Glühwein und Kunsthandwerk angeboten werden, so Fischer weiter.

Eine negative Begleiterscheinung des Weihnachtsmarktes ist für viele Anwohner der Mangel an öffentlichen Toiletten. Vergangenes Jahr hätten viele Markt-Besucher einfach die Sanitäreinrichtungen des SC Sternschanze benutzt oder ihre Bedürfnisse auf der Straße verrichtet. Diese Toiletten-Touristen seien irritierend für die Kinder, die im SC Sternschanze trainieren, so die Kritik von einigen Anwohnern. Gestern wurde bemängelt, dass das Bezirksamt den diesjährigen Weihnachtsmarkt bewilligt hat, ohne zuvor das Toiletten-Problem zu lösen.

Das Thema Toiletten im Schanzenviertel ist unabhängig vom Weihnachstmarkt ein großes Problem für die Bewohner. Noch immer würden viele „Wildpinkler“ Hauseigänge und Innenhöfe verunreinigen, sagte eine Anwohnerin. Ihr Lösungsvorschlag: mehr öffentliche Toiletten. In diesem Zusammenhang überreichte sie Heinz Evers vom Bezirksamt Altona eine Unterschriftenliste von Schanzen-Anwohnern, die dieses Vorhaben unterstützen. Doch der Verschlag stieß nicht bei allen Beteiligten auf große Begeisterung. Einige Anwohner bezweifelten, dass Kneipen-Besucher, die in Hauseingänge pinkeln, Gebrauch von öffentlichen Toiletten machen würden. Dies ist auch meine Meinung, sagte Susanne Beermann, die in der Schanze lebt.

Ein weiterer Diskussionspunkt war das Bauvorhaben zwischen Neuer Kamp 21-25 und Neuer Pferdemarkt 29/31. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Gewerbeflächen und Wohnungen mit Kinderspielplätzen und Grünflächen. Tobias Derndinger, Geschäftsführer von Dorf Immobilien, stellte das Konzept gestern dem Sanierungsbeirat und den Anwohnern vor. Bisher besteht auf diesem Gebiet noch kein Baurecht. Dorf Immobilien, möglicher Bauherr des Projektes, hat vor zwei Monaten einen Bauvorbescheid bei der Bauprüfstelle des Bezirkes eingereicht, um ein solches Baurecht zu bekommen, sagte Derndinger. Noch sei völlig ungewiss, ob die Bauprüfstelle dieses Baurecht erteilen wird, so der Geschäftsführer von Dorf Immobilien. Es sei vorgesehen, 13 Gewerbeflächen und 75 Wohnungen zu bauen. Ein Finanzierungskonzept gebe es noch nicht, dafür sei es noch zu früh, fügte er hinzu. Der Sanierungsbeirat sprach sich gestern weder für noch gegen das Projekt aus, da einige Mitglieder sich noch gründlicher über das Bauvorhaben informieren wollen. Einige Mitglieder vom Sanierungsbeirat bemängelten, dass zu viele wichtige Details wie etwa Finanzierung und Kosten noch unklar seien. „Es scheint, als wenn diese Wohnungen später nur für Besserverdiener erschwinglich sein werden“, sagt Susanne Beermann der Anwohnerinitiative Schanzenviertel. Sie teilte damit die Meinung vieler Besucher, die wie sie am gestrigen Sanierunsbeirat teilgenommen haben. Der Sanierungsbeirat selbst will sich erst auf der nächsten Sitzung, die für den 9. November geplant ist, dazu äußern.

Weniger kontrovers als das Bauvorhaben zwischen Neuer Kamp und Neuer Pferdemarkt war gestern das Bauvorhaben der Gewerbezeile in der Eifflerstraße. Dabei handelt es sich um kleinteilige Büroflächen ab 15 Quadratmeter aufwärts, die sich durch eine innovative Bauweise auszeichnen würden, sagte Kurt Reinken von der Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg (steg). Im vierstöckigen Gebäude sollen unter anderem ein Konzert- und Proberaum, Einzelarbeitsplätze, Künstlerateliers und ein Frauenwirtschaftszentrum entstehen. Zudem sei eine unterirdische Garage vorgesehen, so Reinken. Die Kosten für das Projekt würden nächste Woche feststehen, sagte er. Möglicher Baubeginn sei im Mai nächsten Jahres. Wenn alles nach Plan läuft, soll der Bau im Mai 2013 fertigstellt sein, so Reinken. Es sei vorgesehen, das „Ensemble Resonanz“ im Konzert-und Proberaum anzusiedeln, fügte er hinzu.

Das „Ensemble Resonanz“ ist ein klassisches Kammerorchester, sagt Tobias Rempe. Er ist der Geschäftsführer des Ensembles und stellte gestern allen Teilnehmern die Grundidee und die Philosophie des Orchesters vor. Ziel sei es, das Ensemble mit dem Schanzenviertel zu vernetzen und den Menschen ein interessantes Klassikprogramm zu bieten. Der Sanierungsbeirat stimmte im Anschluss daran dem Bauvorhaben in der Eifflerstraße und der Ansiedlung des „Ensemble Resonanz“ zu.

Angesicht der kontroversen Diskussion zwischen Anwohnern und dem Sanierungsbeirat über die verschiedenen Bauvorhaben und Projekte konnte die vorgesehene Tagesordnung nicht komplett abgearbeitet werden. So wurde über den dritten Bauabschnitt der Straße Sternschanze nicht mehr diskutiert. Barbara Kaiser von der steg, Moderatorin des Sanierungsbeirates, verwies in diesem Zusammenhang auf die Sitzung des Verkehrsausschusses am kommenden Montag (17. Oktober). Dort soll ausführlich über das Thema diskutiert werden. Der nächste Sanierungsbeirat Sternschanze Altona findet am 9. November statt.


Tatjana Konieczny

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