Moderationsmarathon im Knust

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Die Jury simuliert eine aufgebrachte Menge, einer wirft sogar seinen Kugelschreiber auf die Bühne. „Die Moderatoren müssen auch in Extremsituationen die Zuschauer unter Kontrolle haben“, erklärt Christian Eckert, der Vorsitzende der Jury.

Robert Bittig ist für das Casting extra aus Mainz angereist.

Robert Bittig ist für das Casting extra aus Mainz angereist.

Robert Bittig (28) ist einer der Bewerber und moderiert auch unter Kuli-Beschuss tapfer weiter. Die Jury hat ihm die Aufgabe gegeben, eine Pause zu überbrücken, die durch einen Bühnenumbau entsteht. Robert ist gut vorbereitet, er hat sich über die Bands informiert und zitiert Pressemeinungen zu den Künstlern, die er sich auf einen Zettel geschrieben hat. Auf der Bühne wirkt er routiniert. Zwei Wochen pro Monat moderiert er die Nachrichten im Rhein-Main-TV, außerdem ist er freier Mitarbeiter beim ZDF.

Bei diesem Wettbewerb schadet ihm seine Erfahrung allerdings eher. „Du bist einfach zu öffentlich-rechtlich – viel zu gesetzt“, sagt Christian Eckert, „ich spüre, dass du mehr Energie in dir hast, aber irgendwie lässt du es gerade nicht raus.“ Robert ist überrascht. Das hat ihm noch nie jemand gesagt.

Die Jury gibt ihm noch eine zweite Chance und verschiedene Ratschläge: Jackett ausziehen, vor dem Auftritt hecheln, tänzerischer auftreten. Und vor allem eins: ehrlich und er selbst soll sein.

Bei dem Casting wird ein Moderator für den John Lennon Talent Award gesucht. 30 Bewerberinnen und Bewerber treten heute und morgen vor die Jury. Der Gewinner oder die Gewinnerin moderiert die vier Termine des Bandcontests und bekommt vorher noch ein Moderationstraining.

Wieder stürmt Robert auf die Bühne, dieses Mal ohne Jackett und bereit zu tanzen. Die fünf Jurymitglieder spielen noch einmal die tobende Menge. Der, der vorher den Stift geworfen hat, steht jetzt auf einem Barhocker. Alle klatschen und rufen und Robert lässt den Spickzettel mit den Pressekritiken in der Tasche.

Am Ende sind alle etwas außer Atem. Gemeinsam mit Robert besprechen die Jurymitglieder Stärken und Schwächen seines Auftritts. „Ein intensives Feedbackgespräch ist uns wichtig“, sagt Christian Eckert. Robert geben sie mit auf dem Weg, dass seine öffentlich-rechtliche-Schule nicht nur ein Nachteil sei. Sie wüssten, dass sie sich auf jemanden wie ihn verlassen könnten.

Robert sagt nach dem Aufritt, dass er dankbar für die klare Ansage der Jury sei. „Man muss heute eben im positiven Sinne eine vielseitige Drecksau sein“, meint er.

Friederike Sipp bewirbt sich zum ersten Mal für einen Moderations-Job.

Friederike Sipp bewirbt sich zum ersten Mal für einen Moderations-Job.

Als nächstes ist Friederike Sipp (30) aus München dran. Für die Schauspielerin ist es der erste Moderationsversuch. Sie wolle es einfach mal versuchen, erzählt sie und fragt Robert, womit sie rechnen müsse. Auf den Wettbewerb sei sie eher über die Musik gekommen. „Den John Lennon Award finde ich super, weil es wirklich um die Förderung der Bands geht.“ Nach ihrem Auftritt ist sie etwas enttäuscht: „Ich konnte nicht hundertprozentig zeigen, was ich kann.“ Irgendwie hätte sie nicht spontan genug auf die Aufgaben der Jury reagieren können, sagt sie. Dem Award wolle sie aber treu bleiben, egal ob es mit der Moderation klappt oder nicht. Im nächsten Jahr würde sie gerne mit ihrer Band antreten.

Für den John Lennon Talent Award, der von der Itzehoer Versicherung veranstaltet wird, haben sich letztes Jahr laut Angaben des Veranstalters fast 1000 Bands und Solisten beworben. Im Knust wird heute und morgen der passende Moderator für die Veranstaltung gesucht.
In diesem Jahr findet der Contest in München (5.3. Backstage), Hamburg (19.3. Docks), Berlin (9.4. Kesselhaus) und Kiel (23.4. TraumGmbH) statt.

Claudia Maier

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