Lärmschutzschirme für die Susannenstraße? „Alles Quatsch“

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In der Susannenstraße geht die Aufpflasterung der Parkplatzflächen weiter. Sobald diese abgeschlossen sind, müssen die Wirte Schallschutzschirme aufstellen, wollen sie weiterhin Außengastronomie betreiben (Bild: L. Gesing)

In der Susannenstraße geht die Aufpflasterung der Parkplatzflächen weiter. Sobald diese abgeschlossen sind, müssen die Wirte Schallschutzschirme aufstellen, wollen sie weiterhin Außengastronomie betreiben (Bilder: L. Gesing)

Der ewige Ärger um den Lärm. In der Susannenstraße sind die Bauarbeiter dabei, die Parkflächen am Straßenrand auszupflastern. Der Hintergrund: Anwohner hatten sich über zu viel Lärm beschwert. Gerade am Wochenende, wenn ausgehfreudige Hamburger das Szeneviertel bevölkern, sei die Geräuschkulisse nicht zumutbar, so der Vorwurf. Schon länger ist die Außengastronomie im Viertel ein Streitthema.

Nun wurde der Beschluss der Bezirksversammlung Altona bestätigt, die Wirte brauchen nicht nur eine Sondergenehmigung, sondern müssen zudem auch strenge Auflagen erfüllen, wollen sie draußen weiterhin Essen und Getränke servieren. Die neuen Flächen, die durch die Aufpflasterung entstehen sollen die Tische vom Gehweg trennen. Vorteil laut Bezirksamt: Passanten auf den Bürgersteigen würden nicht mehr behindert werden. Zusätzlich sollen Schallschutzschirme installiert werden. Schon seit Anfang des Jahres hätten die Gehwege eigentlich frei von Tischen bleiben müssen, nun also der endgültige Beschluss.

Bei einigen Gastronomen trifft das auf wenig Verständnis. „Alles Quatsch“, sagt jetzt einer von ihnen. Das Problem seien nicht seine zehn bis fünfzehn Gäste, die er vor seinem Laden bedient, „sondern all diejenigen, die die Susannenstraße als Durchgang von der S-Bahn-Station zum Schulterblatt benutzen und sich an den Kiosken für sechs Euro eine Flasche Wodka kaufen können. Natürlich sind die laut.“ Er selbst weise seine Gäste freundlich darauf hin, nicht zu viel Lärm zu verursachen, sollte das einmal der Fall sein, versichert er. „Ein einziges vorbeifahrendes Auto ist lauter als meine Gäste, die sich in normaler Lautstärke unterhalten“, bestätigt ein anderer Gastwirt.


Durch die Aufpflasterung werden die Tische vom Gehweg weg gerückt

Durch die Aufpflasterung werden die Tische vom Gehweg weg gerückt

Für die Aufpflasterung der Parkfläche vor den Bars und Kneipen müssen sie selbst aufkommen – Kosten von etwa 6000 Euro. Als weitere elementare Auflage wurde angeordnet, Schallschutzschirme zu kaufen und bei den Außen-Tischen zu installieren. Sie sollen die Geräuschkulisse weiter dämmen.

Diese Schirme aber werden nun scheinbar Streitfall. Wie sollen diese Schirme aussehen? Kommen passend zum Frühsommer Sonnenschirme mit integriertem Schalldämpfer in die Susannenstraße? „Das weiß keiner“, sagt der Wirt. „Niemand weiß, wo wir sie herbekommen sollen und wie wir sie zu installieren haben.“

Dem widerspricht Kerstin Godenschwege, Sprecherin des Bezirksamtes Hamburg Altona: „Das kann nicht sein. Schon im Februar sind die Wirte auf der Regionalversammlung vorstellig geworden und wollten mit einem Antrag die Auflage der Installation dieser Schallschutzschirme verhindern. Damals war ihre Begründung, die Schirme seien zu teuer. Sie müssen also wissen, wo sie sie herbekommen können.“ Bei den Schallschutzschirmen handelt sich um Extraanfertigungen, also große Sonnenschirme aus einem speziellem Isolations- bzw. Dämmmaterial, erklärt Godenschwege.

Fakt ist: Um weiter das Recht auf Außengastronomie zu behalten, müssen die Schallschutzschirme bis zum Ende der Bauarbeiten installiert und auch alle anderen Auflagen, etwa eine Kunststoff-Ummantelung der Verschlussketten, umgesetzt sein. Der bezirkliche Ordnungsdienst soll die Einhaltung der Auflagen streng kontrollieren. Die Umsetzung der Auflagen und deren Kontrolle muss aber noch geklärt werden, sagt Kerstin Godenschwege.


Die Bauarbeiten stoßen nicht bei allen Wirten auf Verständnis

Die Bauarbeiten stoßen nicht bei allen Wirten auf Verständnis

„Wir wollen keinen Ärger mehr und hoffen, dass sich dieses Problem durch die nun getroffenen Maßnahmen löst“, sagt ein weiterer Wirt genervt. „Das Schanzenviertel ist nun mal sehr lebendig – das macht doch auch seinen Reiz aus“, führt er aus und schaut aus der offenen Tür hinaus. Vor einem seiner Tische steht in der Mittagssonne eine Straßenband. Die schnellen Gitarrenklänge laden zum Mitwippen ein. Sie überlagern jegliche Unterhaltung der Passanten.


Lars Gesing

Lesen Sie auch: Aufpflasterung in der Susannenstraße hat bereits begonnen
und Außengastronomie in der Susannenstraße: Zehn Wirte haben Verträge unterschrieben

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6 Kommentare zu Lärmschutzschirme für die Susannenstraße? „Alles Quatsch“

  1. Günter Kalkhoff sagt:

    UPDATE // QUERLINK:

    Im Portugiesen-Viertel gibt es wieder die Striche, die wir hier auch schon mal hatten. Dort fehlten Mittel, so Abendblatt, um „aufzupflastern“.

    http://stadtteilreporter-st-pauli.abendblatt.de/Allgemein/das-portugiesenviertel-ist-ab-sofort-in-zonen-eingeteilt/

  2. Leon sagt:

    Diese wirklich „wirkungsvollen“ Schirme werde gerade erst getestet!

    http://www.sueddeutsche.de/muenchen/schallschutz-experiment-im-cafe-abgeschirmt-1.1103349

    Aber die Schirme – wie Günter richtig sagt – sind nicht die Lösung oder das Problem.

    Und im übrigen gelten die Versprechungen von Bezirksamt und -versammlung sowieso nicht. Denn die Außengastro wird fleißig erweitert. „Frank und Frei“ hat SICH auch neue Stühle in der Schanzenstraße genehmigt, so dass man sich z.B. (!) auf dem Weg von der Arbeit nun mit Hamburger Besuchern, Touristen, freundlich klingelnden Fahrradfahrern, Anwohnern – ja diese Reihenfolge – einen fitzelkleinen Streifen „teilen“ kann.

    Was soll das? Irgendwann sei Schluss sagt man. Es wird weiter großmündig versprochen und wieder und wieder gebrochen. So getragen von SPD, GAL, CDU und FDP … keine Erweiterung in unserem WOHNgebiet.

    Und jetzt komme mir bitte keiner mit: „Dann zieh‘ doch weg!“ Soll ich wegziehen, weil Menschen uns betrügen?

    Es weden einfach Fakten geschaffen, die geduldet werden und dann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

    Wir erdulden! Erdulden wir?

  3. Pingback: Bezirksversammlung 26.05. – Thema: Einhaltung der Auflagen der Außengastronomie | Recht auf Stadt

  4. Günter Kalkhoff sagt:

    — hm, wenn ich das über meine Jahre hier richtig verstanden habe, Lars, dann ist das eine etwas verkürzte Aussage vom Gastwirt.

    Du hast das am Ende nach allen Regeln des Schreibens nett gemacht, indem Du die Interessen der Anwohner mit dem Musikanten ins Lächerliche ziehst, ohne selbst zu sagen, was Du denkst.

    Insgesamt ist der als „Bericht“ getarnte Kommentar dadurch endgültig tendenziös. Diese Schirme sind erst das sichtbare Zeichen einer langen Entwicklung, zu der die meisten Gastronomen beigetragen haben. Es wundert mich, dass keiner der Hausbesitzer bislang eine Klage eingereicht hat, da durch den andauernden Mieterwechsel doch sicherlich hohe Kosten entstehen.

    Jedenfalls ist dieser Schlussstrich „Sonnenschirm“ nur eine Zwischensumme unter einer langen Rechnung, die in mehr als acht Absätze passt.

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