Lärmschutz-Theater Susannenstraße: Bezirksamt sieht mögliche Klage gelassen

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Die Susannenstraße könnte ein Hamburger Pilotprojekt in Sachen Lärmschutz werden (Bild: A. Laible)

Die Susannenstraße - vielleicht bald weit vorn in Sachen Lärmschutz? (Bild: A. Laible)

Am Donnerstag kündigte eine Wirte-Gemeinschaft der Susannenstraße an, gegen das Vorgehen der Stadt in Sachen Lärm- und Anwohnerschutz Klage einzureichen. Das Bezirksamt Altona sähe der angekündigten Klage „völlig entspannt und gelassen“ entgegen, teilte die Sprecherin Kerstin Godenschwege dazu mit. Im Mai wurden die Verträge von den Wirten unterschrieben. Diese hätten auch Schallschutzschirme zur Auflage gehabt.

Ebenfalls am Donnerstag wurde beim Bezirksamt Altona von einem der Susannenstraßen-Wirte ein Hersteller-Zertifikat für einen Schallschutzschirm eingereicht, der die geforderte Lärmminderung erreiche, so Godenschwege. Bislang hatte noch kein Wirt einen solchen Schirm auf dem Markt besorgen können. Die Bezirksamts-Sprecherin: „Es hat sich gezeigt, dass es gut war, dass wir gesagt haben: „Jetzt möchten wir mal Fakten sehen, denn nun ist auch was passiert“.
Gegen mehrere Wirte wurde in der letzten Woche ein Bußgeld verhängt, da sie trotz fehlender Schirme oder Nachweisen einer Schirm-Bestellung ihre Tische außen aufgestellt hatten.

Und tatsächlich hat sich nun einiges getan in Sachen Schallschutzschirme. Chong-Min Moerbeck, Inhaber der Bok Sushi Bar, war bei der Recherche nach den Schirmen auf einen Hersteller gestoßen, „der nicht erstmal entwickeln wollte“, so Moerbeck. Stattdessen konnte dieser dem Wirt einen zertifizierten Schirm bieten, der die geforderten 2 bis 7 Dezibel Lärmminderung des Bezirksamts erfüllte. Auf Grund des Zertifikats wurde dem Gastronom die Verlängerung der Nutzungsgenehmigung für die Außenplätze sofort erteilt. Prompt zogen auch andere Wirte der Susannenstraße nach und bestellten Schallschutzschirme bei dem Hersteller, der Firma Bikatec aus Baden-Württemberg.

Mindestens zehn Bestellungen aus Hamburg seien gerade bei ihm eingegangen, sagt Günter Kaltenbach von Bikatec. Die Schallschutzschirme seien in einem Pilotprojekt in München gemeinsam mit der Fachhochschule Rosenheim entwickelt worden, berichtet er weiter. Umliegende Anwohner eines Restaurants sollten vor Biergartenlärm bewahrt werden. Man sei in München „total zufrieden“ mit den Spezialschirmen. Zur Machart möchte er nicht zu sehr ins Detail gehen, wegen der Konkurrenz. „Der Schallschutzschirm besteht aus einer dreilagigen Schirmdecke und hat dazwischen ein Vliesgewebe“, erklärt der Hersteller aus Baden-Württemberg den Aufbau. Und damit könnten 3 bis 6 Dezibel Lärm geschluckt werden, so Kaltenbach.

Der Schirm aus dem Münchener Pilotprojekt wird jetzt also auch nach Hamburg kommen. Die Lieferung dauerte aber noch eine Weile, „wahrscheinlich wird das nichts mehr in dieser Saison“, sagt Chong Min Moerbeck. Nächste Woche käme der Hersteller wahrscheinlich erst einmal nach Hamburg, um sich die Begebenheiten vor Ort anzusehen.

Und was wird aus der Klage der Wirte gegen den Bezirk Altona? Ist sie mit der Option auf real existierende Schallschutzschirme hinfällig geworden? Nein, sagt Abbas Teherani, Betreiber der Kostbar und Mitglied der Klagegemeinschaft, „wir werden weiterhin komplett gegen die ganze Sache klagen“. Hinter ihnen stünde auch der deutsche Hotel- und Gaststättenverband, die Dehoga.

Bezirksamts-Sprecherin Kerstin Godenschwege ist der Ansicht, dass in Sachen Konfliktlösung zwischen Gastronomie und Anwohnern in der Susannenstraße alles richtig gemacht wurde. Den Gastronomen wurde sogar Hilfestellung für eine beiderseitig zufriedenstellende Lösung gegeben. Sie glaube daher nicht, „dass die Wirte aus der Sache rauskommen“, so Godenschwege.

Susanne Hüners

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3 Kommentare zu Lärmschutz-Theater Susannenstraße: Bezirksamt sieht mögliche Klage gelassen

  1. Pingback: Ausschankverbot auf den Außenplätzen bringt Wirte schnell zur Einsicht « anwohnerini-schanzenviertel

  2. Leon sagt:

    Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, dann hatte die hier bekannte Anwohner-Ini schon mal über diese Schirme der FH Rosenheim berichtet. Bekannt geworden durch einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung.

    Guckt Ihr hier: http://www.anwohnerini-schanzenviertel.de/?p=1394

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