Lärm in der Susannenstraße: Bezirksamt Altona weiß nichts von Gutachten

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In der Susannenstraße werden derzeit neue Außenplätze für die Gastronomie gebaut (Bild: H. Jacobs)

In der Susannenstraße werden derzeit neue Außenplätze für die Gastronomie gebaut (Bild: H. Jacobs)

Der Streit um die Außengastronomie an der Susannenstraße im Hamburger Schanzenviertel beschäftigt Anwohner, Gastronomen und das Bezirksamt Altona. In der belebten Straße zwischen dem Schulterblatt und der Schanzenstraße wird derzeit an vielen Stellen gebaut. Der Gehweg wird verbreitert und die sogenannten Parktaschen aufgepflastert, um die Tische der Lokale in Richtung Straße zu verlagern. „Intention ist es, die engen Gehwege frei zu räumen“, sagt Kerstin Godenschwege, Sprecherin des Bezirksamtes Altona. Der Lärm, der den Anwohnern seit Jahren zu schaffen macht, spielt bei den Baumaßnahmen für das Bezirksamt nur eine untergeordnete Rolle.

Trotzdem müssen die Gastwirte, die ihre Außenflächen in Zukunft nutzen wollen, eine strenge Auflage erfüllen: Sobald die Baumaßnahmen abgeschlossen sind, müssen Schallschutzschirme installiert werden. Laut Auflagen des Bezirksamtes Altona sind „zur Einhaltung der zulässigen Immissionsrichtwerte auf Flächen, die geeignet sind mehr als 10 Gäste zu bewirten, ein Schallschutz nach oben in Form von Sonnenschirmen, oder ähnlichem“ vorgesehen . Für die Kosten sind die Gastronomen selbst verantwortlich. In den Auflagen heißt es weiter: „Um ein einheitliches Straßenbild zu gewährleisten, werden dazu helle unifarbene Materialien vorgegeben“. Dazu Kerstin Godenschwege: „Die Wirte müssen sich untereinander absprechen“. Unter den Kneipenbesitzern herrscht aber noch Verwirrung. „Das Bezirksamt weiß selbst nicht, wie das alles aussehen soll“, sagt Besitzer Armin Behpur von der „Kostbar“. Er habe noch keinen Schallschutz bestellt und wartet auf weitere Anweisungen der Behörde.

In der kommenden Woche sollen die Baumaßnahmen abgeschlossen sein. Dann müssen alle Gastronomen, welche die neu erbauten Plätze nutzen wollen, die Bestellung des Schallschutzes nachweisen. Das bestätigt Amtssprecherin Godenschwege. „Zuvor bedarf die gewählte Form des Schallschutzes der Zustimmung des Fachamtes Verbraucherschutz, Gewerbe und Umwelt“, heißt es in den Auflagen.

Die „Anwohnerinitiative Schanzenviertel“ beklagt sich seit Jahren über den zunehmenden Lärm in der Susannenstraße. Weil das Bezirksamt Altona der Bitte, eine Lärmmessung durchzuführen, nicht nachkam, wurden die Anwohner selbst aktiv. Mit der finanziellen Hilfe des Sanierungsbeirates wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse belegen, dass der erlaubte Richtwert für Mischgebiete (Wohn- und Gewerbegebiet) in der Nacht um bis zu 19 Dezibel überschritten wird – verursacht durch die Außengastronomie. „Ein solches Gutachten liegt uns nicht vor“, sagt Godenschwege.

Mit dem Gutachten beschäftigt sich derzeit das Verwaltungsgericht. Eine Entscheidung des Antrages auf Erlass einer einstweiligen Verfügung einer Unterlassung der Umbaumaßnahmen soll in Kürze fallen.

Henrik Jacobs

Lesen Sie dazu auch: Streit um Außengastronomie: Schanzenbewohner wütend und Lärmschutzschirme für die Susannenstraße? “Alles Quatsch”

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4 Kommentare zu Lärm in der Susannenstraße: Bezirksamt Altona weiß nichts von Gutachten

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  2. Bruno69 sagt:

    „Ein solches Gutachten liegt uns nicht vor“, sagt Godenschwege.

    Schön, daß der Leser hier mal mitbekommt, mit welchen Mitteln das Bezirksamt Altona mit unliebsamen Anwohnerthemen umgeht. Nun wird das Gurachten genauso geleugnet, wie die zahlreichen Beschwerden. Das Gutachten liegt der Behörde nicht nur vor, es ist dazu noch unter dem Tisch gehalten worden, um den Ausbau der Gastromeile voranzutreiben.
    Dummerweise wurde es letztmalig von einer Anwaltskanzelei geschickt. Da wird Frau Godenschwenge noch böse in Erklärungsnot geraten.
    Immerhin: Fairerweise muß man hinzufügen, daß die der Eingang zahlloser Beschwerden mittlerweile zugegeben wurde – weil die Lüge nicht länger aufrecht zuhalten war.

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  4. Leon sagt:

    Wie wollen die das denn alles beim Bezirksamt innerhalb von einer Woche prüfen und bestätigen oder gar ablehnen? Nur mal so nebenbei gefragt …

    … und danke an den Stadtteilreporter für die Details, die man sonst nie so erfährt als Bewohner hier. Das Bezirksamt kann mir ja noch nicht mal schriftliche Fragen beantworten. Läuft deren Email-Fach über?

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