Der Alte Elbtunnel auf kleinstem Raum

{lang: 'de'}

Der Alte Elbtunnel auf einer Briefmarke. Zeichnerisch-typografische Darstellung des Hamburger Elbtunnels. Entwurf: Bianca Becker und Peter Kohl, Hamburg (Bild: Bundesministerium für Finanzen)

Der Alte Elbtunnel auf einer Briefmarke. Zeichnerisch-typografische Darstellung des Hamburger Elbtunnels. Entwurf: Bianca Becker und Peter Kohl, Hamburg (Bild: Bundesministerium für Finanzen)

Zwei Röhren, 1911 fertiggestellt, 426,5 Meter lange, gekachelte Wände: Der Alte Elbtunnel ist ein Hingucker. Als Hamburger Wahrzeichen wurde sein 100-Jähriges Bestehen gebührend gefeiert. Und das nicht nur direkt vor Ort an den Landungsbrücken, auch im Museum der Arbeit hat der berühmte Tunnel bis zum 25. März 2012 eine Sonderausstellung. Aber das ist noch längst nicht alles: Seit dem 15. September gibt es den Alten Elbtunnel auch in einer Klebevariante: als 55-Cent-Briefmarke der Deutschen Post.

„Die Elbtunnel-Briefmarke ist bisher unsere Lieblingsbriefmarke“, erzählt die Diplom-Designerin Bianca Becker (30), „aber natürlich war unsere erste designte Marke auch etwas ganz spezielles“. Zusammen mit dem Diplom-Designer Peter Kohl (31), mit dem sie beruflich ud privat ein Team bildet, hat sie die Jubiläumsmarke anlässlich des Elbtunnelgeburtstags entworfen. Auch zwei weitere der von den Schanzenbewohnern entwickelten Briefmarken haben es in den Druck und somit in die Filialen der Deutschen Post geschafft. Darunter eine Marke der Michaeliskirche in Hildesheim und eine Sondermarke zu Oskar Schindler.

Aber wie kommt man darauf, Briefmarken zu entwerfen? „Wir wollten als gestalterischen Teil unserer Diplomarbeit etwas Buntes, Lustiges machen. Und da kamen wir auf Briefmarken, mit denen kann man gestalterisch ganz tolle Sachen machen“, erläutert Kohl. Die Diplomarbeit an der FH Wiesbaden haben Becker und Kohl gemeinsam gestaltet. Mit dieser Arbeit haben sie sich anschließend beim Bundesministerium für Finanzen beworben, das die Wettbewerbe zu den Briefmarken ausschreiben.


Bianca Becker und Peter Kohl zusammen mit ihrer Elbtunnelbriefmarke (Bild: C. Müller)

Bianca Becker und Peter Kohl zusammen mit ihrer Elbtunnelbriefmarke (Bild: C. Müller)

Den ersten Wettbewerb im Rennen um eine der begehrten Marken bestritt das Designer-Duo bereits 2006. „Wir haben zwar nicht gewonnen“, sagt Kohl, „aber ich denke, wir haben es ganz gut gemacht“. Mittlerweile werden die zwei Gestalter merhmals im Jahr vom Bundesministerium für Finanzen eingeladen, um an den Gestaltungswettbewerben für Briefmarken teilzunehmen.

„Das Schöne beim Entwerfen von Briefmarken ist, dass einem keiner reinfuchst“, sagt Becker. Es gebe zwar ein paar Vorgaben, wie etwa das Thema oder das Format, aber oft sei man völlig frei in der Gestaltung. „Ohne Vorgaben kann ich als Designer auch nichts falsch machen“, erzählt Becker.

Zwischen dem Wettbewerb und dem Verkauf der Briefmarke in einer Postfiliale liegt ein Jahr. „Dann haben die Teilnehmer vier bis sechs Wochen Zeit, den Entwurf einzureichen“, erläutert Kohl das Prozedere. „Dabei dürfen wir niemandem den Briefmarkenentwurf zeigen“, sagt er weiter.

An den Entwürfen würden sie etwa eine Woche arbeiten. „Man muss die Recherche, die Umsetzung, den Feinschliff und am Ende den Druck der Marke mit einberechnen“, erläutert Becker. Das bestätigt Kohl: „Allein für das Ausdrucken der Marken in den gewünschten Wettbewerbs-Größen und dem Aufkleben auf die Pappen benötigen wir einen Tag.“ Die Vorgaben, wie die Teilnehmer die fertig entworfenen Marken einreichen sollen, sind zwei Seiten lang. „Jeder von uns macht so zwei bis drei Entwürfe“, erläuter Kohl die Arbeit im Team.

Ein weiterer kreativer Entwurf von Bianca Becker und Peter Kohl anlässlich der Diplomarbeit(Bild: B. Becker & P. Kohl)

Ein weiterer kreativer Entwurf von Bianca Becker und Peter Kohl anlässlich der Diplomarbeit(Bild: B. Becker & P. Kohl)

Mittlerweile haben sie an 15 Wettbewerben teilgenommen, drei Marken gingen daraus als Sieger hervor. „Ich denke wir liegen mit unserem Ergebnis auch gut in der Quote. Klar ist es enttäuschend, wenn man nicht gewinnt.“ Die beiden gönnen aber auch ihren Konkurrenten den Sieg. „Manchmal sagen wir zwar, ‚oh Mann, warum haben wir nicht gewonnen‘, aber die anderen Male denkt man sich, ‚ok, den Entwurf hätte ich auch genommen‘“, erzählt Kohl. „Wenn du merkst, dass der Siegerentwurf wirklich gut war, dann gönnst du das den anderen Bewerbern natürlich“, ergänzt seine Lebensgefährtin Bianca Becker.

„Und es macht uns sehr viel Spaß“, sagt Kohl weiter, „im normalen Leben nimmt man nicht an solchen Wettbewerben teil. Es ist etwas ganz anderes, wenn man so etwas privat machen kann.“ Des Weiteren sei es eine große Motivation, Briefmarken für Deutschland zu gestalten. „Die kriegen einige Leute in die Finger“, erzählt Bianca Becker und strahlt. „Wenn uns Bekannte fragen, ob wir etwas designt haben, was man kennt, und wir auf die Briefmarken verweisen können, dann ist das eine schöne Sache“, erzählt die 30-Jährige weiter.

Klassische Briefmarkensammler sind die beiden jedoch nicht. „Wir sammeln die für uns schönen Marken“, erzählt Becker. Kohl wirft ein: „Die Schönen unter Designgesichtspunkten.“

Während ihrer Diplomarbeit 2006 beschäftigten sie sich auch mit der Frage, was man an den Marken besser machen könnte, erzählt Becker. „Deshalb haben wir auch mal etwas Ausgefalleneres probiert, etwa das Format geändert“, sagt Kohl. „Wir versuchen auch bei den Wettbewerben kreative Sachen unterzumischen. Das wichtige ist nur, dass sich eine gestaltete Marke an die Vorgaben hält“, erläutert Becker.

„Wir merken, wie unterschiedlich die Altersgruppen auf unser Design reagieren“, erzählt Becker. Beim Elbtunnel beispielsweise höre man von den Jugendlichen „coole Marke“. „Die ältere Generation hingegen hätte sich die Gestaltung etwas technischer gewünscht“, sagt Kohl. „Deshalb fragen wir unsere Eltern, die typische Zielgruppe, auch nach ihrer Meinung, bevor wir die Marke einreichen. Sie sollen uns dann sagen, was sie sehen und was sie verstehen.“ „Da werden wir dann automatisch wieder geerdet“, erzählt Becker.

Was die beiden an einer Siegermarke verdienen, dürfen sie nicht sagen. „Leben kann man davon aber nicht“, erzählt Kohl.

Christin Müller

Informationen zu Peter Kohl und der gemeinsamen Diplomarbeit mit Bianca Becker.


Lesen Sie auch: Mit Tunnelblick – Hamburg und seine Unterwelt
und 100. Geburtstag: Happy Birthday, alter Elbtunnel

{lang: 'de'}
Be Sociable, Share!
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.